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Games Convention Special

 

Yoomurjak's Ring


Release Ungarn: September 2006

Entwickler: Private Moon Studios

 

 

Ein Preview von  MaryScots   15. September 2006

 

Das ungarische Independent-Entwicklerteam Private Moon Studios hat sich in der Adventuregemeinde bereits durch das Episodenspiel AGON (Ancient Games of Nations) einen Namen gemacht und präsentiert uns nun ein interessantes Einsatzgebiet für Adventures. Im Auftrag der ungarischen Stadt Eger haben sie ein Spiel entwickelt, das den Tourismus der Stadt auf spielerische Weise ankurbeln helfen soll und das verpackt in eine spannende Geschichte.

Historisch gesehen basiert Yoomurjak’s Ring auf dem berühmten ungarischen Roman Sterne von Eger von Géza Gárdonyi. Das Buch handelt von der Belagerung der Stadt Eger durch die Türken im Jahr 1545 und dem heldenhaften Sieg der Ungarn. Dieses Buch, seine eigene ungarische Abstammung mütterlicherseits und zwei geheimnisvolle Briefe an seinen Großvater, die er in besagtem Buch findet, veranlassen den amerikanischen Journalisten Jonathan Hunt (jene, die AGON gespielt haben, erkennen den Namen als den des Großvaters, Samuel Hunt) sich auf eine Reise zu seinen ungarischen Wurzeln zu begeben, so auch nach Eger. Nicht nur die Stadt möchte er kennenlernen, sondern auch Nachforschungen über die Zeitreisetheorien eines gewissen Professor Pál Ábray anstellen, der seinem Ahnen um die Jahrhundertwende diese beiden Briefe geschrieben hat. Vor Ort trifft er auf einen alten Herrn, der sich recht gut mit diesen Theorien auszukennen scheint und der dem an Mysterien stark interessierten Jonathan die Grundlagen bietet, der Möglichkeit einer Zeitreise auf die Spur zu kommen.

Durch diese Geschichte werden im Spiel die Sehenswürdigkeiten und die Historie von Eger mit dem Enträtseln des Geheimnisses um die Zeitreisetheorie verbunden. Aus First-Person-Perspektive erkunden wir per Point & Click die Stadt, die uns in sagenhaft hochaufgelösten Fotohintergründen präsentiert wird. Wir können uns stufenlos drehen und wenden, um uns alles anzuschauen, fast als wären wir selbst dort. Gerade wollte ich sagen, dass sich diese Technik auch sehr gut für einen virtuellen Reiseführer eigenen würde, aber genau das ist das Spiel ja auch zu einem großen Teil, komplett mit eingebauter Enzyklopädie. Ich kenne zwar das Adventure Byzantine aus dem Jahr 1998 selbst nicht, habe mir aber sagen lassen, dass Yoomurjak’s Ring vom Gameplay und der Grafik her ähnlich ist.

Für letztere, insbesondere Dialog- und Filmszenen, welche reichlich vorhanden sind, hat man sich der in den 1990er Jahren in Adventures sehr beliebten FMV-Technik bedient, allerdings in zeitgemäß hoher Qualität – also keine Angst vor Pixelsuche. Die Unmengen an Fotos und mehr als anderthalb Stunden Filmmaterial werden auf einer DVD untergebracht; das hätte man sich schon damals gewünscht, als Adventures mit ähnlicher Technik noch auf ca. 6 CDs daherkamen und häufiges Wechseln erforderten. Als besonderen Gag (zumindest für die Landsleute) hat man bekannte ungarische Schauspieler für die Rollen der Charaktere engagiert. Besonders der Hauptdarsteller ist sehr beliebt dort und ein weiterer verkörpert die gleiche Rolle, die er schon in der Romanverfilmung von 1968 spielte.

Da Private Moon Studios nicht nur Spiele entwickeln, sondern ein Teil der Firma auch gleichzeitig ein Musikverlag ist, lag es nahe, für die Rolle des Bösewichts, der uns im fortschreitenden Spielverlauf zunehmend bei unseren Entdeckungen hindern will, den ungarischen Rapper, Ganxta Zolee, zu verpflichten. Aber keine Angst, man kann nicht sterben, man wird nur verprügelt ;-), um dann nach einem kleinen Nickerchen wieder frisch ans Werk zu gehen. Das Werk, also eigentlich die Rätsel, verteilt sich über einen Zeitraum von 5 Tagen und nimmt im Schwierigkeitsgrad zu bis uns schließlich am letzten Tag das Masterrätsel bevorsteht; dieser Aufbau erinnerte mich nun wieder stark an Gabriel Knight 3, vor allem, da das Masterrätsel aus verschiedenen kleineren Aufgaben besteht, bei denen eine auf der Lösung der anderen aufbaut, also ein bisschen so wie ‚Le Serpent Rouge’ aus GK3, nur nicht so kompliziert. Beim Rätseldesign hat man darauf geachtet, den Spieler immer aktiv in die Lösung einzubinden, z.B. in Form von Coderätseln, ein wenig Heraldik, um ein Wappen zu erstellen oder eines 3D-Rätsels, beim dem das Modell eines Minaretts und eine Kerze uns einen bestimmten Punkt auf einer Karte anzeigen sollen. Ziemlich interaktiv das Ganze und es sieht sehr gut aus dabei. Nur schade, dass aus Kostengründen bisher nur eine ungarische sicher und eine englische Sprachausgabe geplant sind. Für deutsche Spieler soll es höchstwahrscheinlich aber zumindest die englische Version mit deutschen Untertiteln geben. Die ungarische Version erscheint in diesen Tagen. Weitere Erscheinungstermine sind noch offen.

 

Copyright © MaryScots für Adventure-Archiv, 15. September 2006

 

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