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Tell


Erscheinungsdatum: 11/2007
Entwickler: TGC The Games Company  
Publisher: Atari
Spielsprache: Deutsch

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Boxshots

USK: ab 6 Jahren

 

 

Ein Review von   André   11. Dezember 2007

Eines vorweg: Sogenannte humorvolle Unterhaltung aus Deutschland - speziell wenn sie dem deutschen Privatfernsehen entspringt – finde ich sehr oft alles, nur nicht humorvoll. Dass man das sicher nicht pauschalisieren kann, zeigen Serien wie z.B. die herrlich subversive Stromberg-Reihe. Aber der bisherige Ausschuss von Christian Tramitz und Axel Stein, die bei dem für das Adventure zugrunde liegenden Film „Tell" u.a. die Hauptrolle spielen, ist für mich aber eher ein gutes Beispiel für die erstgenannte Kategorie des lauen Klamauks ohne Substanz. Nun ja, es ist sicherlich auch schwierig, Humor am Fliessband zu produzieren.

Und so bin ich eigentlich auch überhaupt kein Michael-Bully-Herbig-Fan, aber das vor einiger Zeit erschienene Adventure „(T)raumschiff Surprise" war zumindest halbwegs nett spielbare Unterhaltung für zwischendurch. Denn die Hersteller von Adventures arbeiten glücklicherweise oft sehr eigenständig von den eigentlichen Machern der ursprünglich zugrundeliegenden Serie bzw. des Films und manches Spiel entwickelt dann teilweise eine Eigendynamik losgelöst vom Original. Und so erhoffe ich mir, dass man aus der Grundingredienz „Tell" ein nettes Abenteuer gebraut hat.

 

Die Handlung? Tell me!

Tell? Tell? Tell? Verdammt, wer war das noch mal? Klar, das war der mit der Armbrust und dem vom Kopf geschossenen Apfel. Aber wie noch einmal genau ging die Erzählung von Schiller? Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht, wie exakt man sich an der Originalgeschichte gehalten hat.

Nachdem ein gut ins Spiel integrierter, da auf einer Couch mitten im Spielgeschehen sitzender Schiller als Erzähler einen sehr langen Monolog gehalten und damit einiges von der Rahmenhandlung der Geschichte wiedergegeben hat, sieht man am Anfang Tell und seinen Freund Val-Tah, wie sie sich einen kameradschaftlichen Wettstreit mit der Armbrust liefern. Unglücklicherweise schleicht just in dem Moment der bösartige Landvogt durchs Gebüsch. Und da Val-Tah bei seinen Schießübungen zufällig in die Richtung des Vogts zielt und selbigem die Krone vom Kopf schießt, denkt dieser nun, dass Val-Tah ein Attentat auf ihn verüben wollte. Schnell eilen die Männer des Vogts herbei und führen den zu Unrecht Verdächtigten ab. Tell hingegen wird nicht beschuldigt und landet als Hilfskoch in der Trutzburg, dem Domizil des Vogts. Er schwört allerdings, dem armen unschuldig hinter Gittern sitzenden Val-Tah zu helfen. Denn jenem droht für sein angebliches Verbrechen der Tod.

 

Grafik

Zum einen liegt es sicher auch an dem Ort des Geschehens, also der Schweiz, dass mich Tell grafisch sofort an Simon the Sorcerer 4 erinnert hat, da auch Simon in weiten Teilen in fiktiven Locations spielte, die stark an natürliche Landschaften und mittelalterliche Städte etwa Bayerns, Österreichs oder wie in diesem Fall der Schweiz angelehnt sind. Aber noch viel mehr liegt es an der Art der comichaften Darstellung, welche Simon 4 grundsätzlich einfach etwas ähnlich ist. Man könnte mutmaßen, dass hier teilweise die selben Leute verantwortlich sind. Allerdings erreicht man nicht ganz dessen Niveau, da Tell einfacher umgesetzt wurde. Die Hintergründe wurden z.B. gar nicht animiert.

Trotzdem, die Grafik kann sich gut sehen lassen. Bewegungen und Mimik gefallen, besonders die von Tell selbst, bei dem man sich natürlich noch etwas mehr Mühe als mit den Nebencharakteren gegeben hat. Und so fängt es eigentlich vielversprechend an. Jedoch stößt man im wahrsten Sinne des Wortes schnell an die Grenzen des Spiels. Denn es gibt insgesamt sage und schreibe nur sieben magere Locations, in denen das komplette Spiel stattfindet! Das ist für ein Spiel um die 30 Euro viel zu wenig und absolut ungenügend! Da sind die meisten Demos ja umfangreicher!

Die Charaktere sind - wie auf dem Cover zu lesen ist - original bzw. wenn man es nur unwenig genauer als der Hersteller definiert - als animierte Figuren den Originalschauspielern nachempfunden. Da sie zudem nicht von diesen synchronisiert wurden, liegt der Grad der Abstraktion zu den Originalschauspielern noch etwas höher. Und wenn man nicht genau darauf achtet, wird man nur noch wenig an diese erinnert. Dadurch und durch die comichaften Hintergründe entwickelt das Adventure, wie ich es mir erhofft habe, schon seine Eigendynamik und erinnert grafisch mehr an ein normales Adventure als an den Film. Die Figur des auf dem Cover beworbenen und recht groß dargestellten Axel Stein sieht man z.B. nur kurz in einer kleinen Nebenrolle.

Es trat während meines Spiels ein unschöner Grafikfehler auf, denn in vielen Bildern wurden Teile der Figuren von den Hintergründe überlagert.

 

Handhabung

Es ist erfreulich: Bis auf wenige Ausnahmen, wie der unbequemen Steuerung bei Dead Reefs, sind die meisten Adventures, die ich in letzter Zeit gespielt habe, mit einer praktischen und solide ausgeführten Point+Click-Steuerung und -Bedienung ausgestattet.

Es gibt ein übersichtliches Optionsmenü, in welchem man alle wichtigen Werte justieren kann. Hier lassen sich direkt vier Werte bei der Akustik, nämlich Stimmen, Hintergründe, Musik und Effekte getrennt regeln. Sehr löblich. Weiter kann man Untertitel an- oder ausschalten.

Die eigentliche Steuerung funktioniert in ähnlicher Form wie die meisten Point&Click-Spiele der letzten Zeit: Mit der linken Maus kann man im Prinzip fast durch das ganze Spiel steuern. Einziger Wermutstropfen ist, dass ich mir wieder einmal wünsche, dass man in der Tradition guter Adventures wie Monkey Island und Co. mehrere Möglichkeiten der Interaktion zur Auswahl hat, also entscheiden kann, ob man einen Gegenstand bzw. eine Person nun betrachten oder ansprechen will etc.. In Tell erscheint sofort das entsprechende Icon und man macht mal wieder alles automatisch. So ist man in seinem Handlungsspielraum doch ziemlich eingeschränkt. Das Inventar erscheint, wenn wir den Cursor zum unteren Bildschirmrand führen. Hier kommt noch einmal die rechte Maustaste zum Einsatz, mit der wir uns Gegenstände beschreiben lassen können.

Mit der linken Maustaste lassen sich Dialoge und Cutscenes abbrechen, wenn ein entsprechendes Zeichen eingeblendet wird. Ein Doppelklick lässt Tell rennen und ein einfacher Klick auf das Türsymbole lässt ihn direkt zum nächsten Ort gelangen, ohne dass er langwierig dorthin traben muss. Es gibt noch ein paar Hotkeys für Speichern, Laden, etc. Mit H kann man sich alle Hotspots, mit G alle Gegenstände und mit E alle Exits anzeigen lassen. Und wieder gibt es offensichtliche Parallelen zu Simon 4, da man mit einem Key zu einem dreistufigem Hilfesystem gelangt, welches genau wie das System in dem besagten Spiel mit dem Zauberer funktioniert.

 

Dialoge und Vertonung

Kommen wir zu einem ziemlich unschönen Punkt – den Dialogen. Davon wird sehr ausgiebig Gebrauch gemacht und so stehen einem oft bis zu fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung, die nicht selten sehr lang sind. Und so muss man eine Antwort nach der anderen durchgehen, da zwischendurch natürlich immer mal eine für den Spieler wichtige Information einfließt. Jedoch geht hier Quantität eindeutig vor Qualität - geschätzte 90 % der Dialoge enthalten weder Informationen noch sind sie in irgend einer Weise humorvoll oder unterhaltsam. Es wird ein müder Kalauer nach dem anderen gezückt. Einige Dialoge, wie die des Hauptdarstellers sind noch gekonnt eingesprochen, während z.B. der übertriebener bayrische Dialekt schon arg grenzwertig ist. Noch penetranter fand ich aber das quäkende überzogen-schwulstige Organ des Landvogts. Solche klischeehaften Stereotype dürfen in deutscher Unterhaltung offensichtlich nicht fehlen Und so war ich froh, dass man die Dialoge wegklicken kann. Wohl dem, der schnell lesen kann.

Am Anfang ist mittelalterlicher Sound zu hören und auch die anderen Tracks sind nette, leichte Melodien vom Keyboard, die ihren Zweck als Hintergrundbeschallung erfüllen.

 

Rätsel

Die Rätsel sind alle entweder objektbezogen oder man muss den richtigen Gesprächspartner finden, damit es weiter geht. Tja, es gibt wie gesagt ganze sieben Bilder und hier wurden alle Rätsel reingequetscht. Und davon gibt es in den geschätzten fünf bis sechs Stunden Spielzeit gar nicht so wenige. Einige sind ganz nett, bei anderen, merkt man deutlich, dass sie nur spielverlängernd eingebaut wurden. Und so gibt es am Ende fast keinen Gegenstand, der nicht für ein Rätsel hinhalten musste. Ich denke, ich muss nicht groß erklären, dass das ganze Rumgerenne in immer denselben Locations und das permanente Ansprechen immer derselben Personen mit der Zeit immer eintöniger wird.

 

Aufmachung

Tell kommt auf einer CDROM in einem DVD-Case mit einem dünnen Beiblatt, welches nur die nötigsten Informationen enthält.

 

Fazit – Ist Tell toll?

Zunächst dachte ich, dass Tell kein Schnellschuss wie viele Adventures zu Kino- oder Fernsehlizenzen sei, da es vom ersten Eindruck halbwegs vielversprechend anfing. Zwar ist Tell grafisch kein absolutes Premium-Spiel in der neuesten High-End-Grafik und der Spieler wird auch nicht mit separaten Sequenzen verwöhnt. Aber es erinnert von der Machart immerhin zumindest etwas an den letzten Teil von Simon the Sorcerer, wenn auch nicht in ganz so ansprechend und aufwändig gestaltet.

Jedoch wird der erste Eindruck relativ schnell zunichte gemacht, wenn wir feststellen, dass das ganze Spiel tatsächlich in sage und schreibe nur sieben mageren Bildern stattfindet und wir maximal genau so viele Charaktere treffen. Damit bietet Tell nicht nur ein Bruchteil an Locations die Spiele in dieser Preiskategorie normalerweise aufweisen, sondern auch fast alle Low-Buget-Spiele bieten hier um einiges mehr. Hier ist das Preis-Leistungsverhältnis absolut im Ungleichgewicht und man hat man wohl offensichtlich mehr versucht, mit minimalstem Aufwand und niedrigsten Kosten ein möglichst gewinnbringendes Produkt abzuliefern.

In diesen sieben Szenen hat man versucht, möglichst viele Rätsel auf Teufel komm raus unterzubringen. Und so hat man am Ende des Spiels jedes Bild hundert mal betreten und ebenso oft mit jedem Charakter gesprochen.

Was die Gespräche anbelangt, so wird drauf los gequasselt, was das Zeug hält und man hält sich mit flachen Kalauern nicht zurück. So bekommt das Spiel einen Hauch von Komödienstadel-Charakter, wenn so ein bayrisches Urviech vor dir steht und der biedere Humor mit ebensolchem Dialekt in zähen langwierigen Dialogen vorgetragen wird. Und auch ein Charakter – in dem Fall der Vogt , dem man eine völlig nervig-übertrieben-tuntige Stimme verpasst hat, darf in dieser Liga der Spiele scheinbar nicht fehlen.

Da die Rätsel zumindest gut nachvollziehbar und die Grafik und Bedienbarkeit wie gesagt erstaunlich solide umgesetzt wurden, macht das unter dem Strich eine

 

Gesamtwertung: 58%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemanforderungen:

  • Windows XP/Vista
  • Pentium IV 2,8 GHz
  • 1 GB RAM
  • DirectX-kompatible Grafikkarte mit 128 MB RAM (keine MX-Karten)
  • CDROM-Laufwerk
  • 1 GB freier Festplattenspeicher

Gespielt unter:

  • Win XP
  • AMD Athlon XP 2400+
  • 512 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

 

Vor der Burg sitzt Schiller
Vor der Burg sitzt Schiller

 

 

 

Am Burgtor
Am Burgtor

 

 

Der Innenhof
Der Innenhof

 

 

 


Axel Stein hat man für seine Verdienste um den Humor in den Kerker gesperrt.
Axel Stein hat man für seine Verdienste um den Humor in den Kerker gesperrt

 

 

 


Tell, hier in der Küche in Großaufnahme, wurde sehr ansprechend animiert.
Tell, hier in der Küche in Großaufnahme, wurde sehr ansprechend animiert

 

 

 

 

Heidi, die hier halb hinter den Hintergründen verschwindet, sieht Alix aus Simon the Sorcerer 3 nicht unähnlich, besonders das Dekolleté.
Heidi, die hier halb hinter den Hintergründen verschwindet, sieht Alix aus Simon the Sorcerer 4 nicht unähnlich, besonders das Dekolleté

 

 

 

Hier übten Wilhelm Tell und Val-Tah mit der Armbrust.
Hier übten Wilhelm Tell und Val-Tah mit der Armbrust

 

 

 

Wollen Sie das Spiel wirklich beenden? - Ja bitte, gerne.
Wollen Sie das Spiel wirklich beenden? - Ja bitte, gerne

 

 

 

In Sissys Gemächern
In Sissys Gemächern.

 


 


 

 

 

 

 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 11. Dezember 2007

 

 

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