This page in English


Zurück zur Adventure-Archiv Startseite

 

AGON - The Mysterious Codex 


Erscheinungsdatum: 02/2006
Entwickler: Private Moon Studios
Publisher: Viva Media
Spielsprache: Englisch

ESRB: E for everyone 

Boxshots

Homepage

 

Ein Review von slydos zur englischen Version   09. Mai 2006

mit einem Addendum von Jehane vom 25.04.08
zur deutschen Version

 

AGON - The Mysterious Codex ist die Manifestation der drei ersten Teile eines umfangreicheren Episodenadventures der ungarischen Independententwickler von Private Moon Studios. AGON gab es bis dahin nur als Downloadversion und es kann auch weiterhin in dieser Form gekauft werden. Geplant sind insgesamt 14 Teile.

 

Geschichte

Im ersten Teil wird man in die Hintergrundgeschichte eingeweiht, warum z. B. unser Held, Professor Hunt, in genau 14 Folgen um die ganze Welt jagen muß, um die einzelnen Teile eines Codex zu finden. Der Codex, das sind zum einen handgeschriebene Seiten eines alten Buches, zum anderen die Einzelteile einer Steinplatte, die zu einer seltsamen, ägyptisch anmutenden Statue gehört, die vor kurzem angeliefert und in einem der Lagerräume des British Museums verstaut wurde. Hunts Mitarbeiter Smythe weist den Professor darauf hin, daß es einen mysteriösen Begleitbrief gibt ... woraufhin sich der Professor erst mal auf die Suche nach der Statue macht.

Das Ganze ist ein Puzzle, in dem man die fehlenden Teile nur erhält, wenn man eine Reihe von Brettspielen erfolgreich spielt, die es gilt in ihren jeweiligen Verstecken auf der ganzen Welt ausfindig zu machen. Diese Spiele wurden jeweils innerhalb einer Familie von einer Generation auf die nächste weitergegeben und von ihnen wie ihr Augapfel gehütet. Professor Hunt muß diese Menschen finden und sie in dem von ihnen beschützten Brettspiel schlagen. Danach erhält er in jeder Episode eine weitere Steinplatte mit dem Hinweis auf die nächste Fundstelle. Hunts Mitarbeiter Smythe und seine Ehefrau sind die einzigen, die den Codex kennen und von dem Wissenschaftler mit einer ansehnlichen Menge von Briefen, Münzen, und den gefundenen Bruchstücken eines Puzzles versorgt und auf dem Laufenden gehalten werden. Naja, und da sind natürlich wir, die Spieler, die den Überblick behalten (sollten).

Die Suche nach dem Codex spielt Anfang des 20. Jahrhunderts, kurz nach der Jahrhundertwende, während die Szenen zwischen den einzelnen Episoden rückblickend aus dem Jahr 1927 auf dem Schreibtisch des Professors in Form von Briefen und einer grafischen Reiseroute erscheinen. Es wird nicht deutlich, wer eigentlich diesen Rückblick macht und ob der Professor zu diesem Zeitpunkt noch am Leben ist, da wir zu den gespielten Episoden bereits die Biografie des Professors durchblättern und lesen können. Die Dokumente sind sehr umfangreich und bieten jedem, der an der Hintergrundgeschichte interessiert ist, eine Menge Details zu den Reisekommoditäten des Professors. Es ist jedoch kein Muß, dies alles zu lesen, man kann auch gleich in den nächsten Teil der Geschichte einsteigen.

 

Grafik/Sound

In jedem Kapitel folgen wir Professor Hunt an einen ganz speziellen Schauplatz. Alles beginnt in London. Der Professor arbeitet im Britischen Museum bis spät in die Nacht. Im fein gemachten Intro entsteht vor unseren Augen eine Zeichnung des nächtlichen, verregneten Londons, die sich dann in ein real wirkendes Video mit Kamerafahrt von der kutschenbefahrenen Straße auf das Museum und schließlich aufs Fenster von Professor Hunt verwandelt. Dieses und alle weiteren Videos sind gut gemacht, die Bewegungen der Personen sind ausgezeichnet realisiert auch wenn insgesamt die Filmszenen ein wenig verschwommen wirken. Die dazugehörige dramatische Musik kann sich hören lassen.

Ebenfalls gut gelungen die Ingame-Grafik, die ja wie gesagt in Egosicht stufenlos rundum betrachtet werden kann. An jedem der 3 Schauplätze finden wird NPCs vor, z.B. einen Wachmann im Museum, Dorfbewohner in Lappland und in Madagaskar neben einigen menschlichen Charakteren auch einen Affen. Die Charakteranimationen sind wirklich beachtlich gut. Ebenfalls gut gefallen hat mir neben der ausdrucksvollen und passenden Musik die Sprachausgabe insgesamt und die des Professors insbesondere. Zwar ist die Interaktion durch die relativ wenigen Charaktere etwas gering, aber das was wir sehen und hören erfreut Auge und Ohr. Ein Einsamkeitsgefühl, wie in anderen 1st-Person Adventures, kommt jedenfalls nicht auf.

Besonders gut gefallen haben mir die Spiegelungen des Professors in Schranktüren oder Fensterscheiben und überall dort, wo es die Wirklichkeitstreue verlangt. Dabei wurde noch nicht ganz realitätsnah umgesetzt, daß sich das Ebenbild des Professors entsprechend den Kamerabewegungen, z.B. beim Treppensteigen, auch in der Spiegelung bewegte. Da bleibt Hunt immer starr, und wirkt fast wie ein Gespenst. Daran könnte man in den folgenden Episoden noch arbeiten.

Das verschneite Lappland mit der kleinen Bahnstation, dem Dorf und der winterlichen Schneelandschaft läßt einen förmlich mitbibbern während man sich im tropischen Madagaskar gern überflüssiger Kleidung entledigen möchte. Der Regenwald mit filigranen Farnen, mächtigen Palmen und anderem immergrünen Blattwerk läßt durch die tropische Geräuschkulisse keinen Gedanken an Einsamkeit aufkommen und spätestens wenn dann die Sonne rotviolett am idyllischen Sandstrand untergeht, kommen Urlaubsgefühle auf.

 

Installation/Start

Die Installation geht schnell und auch das Spiel selbst läuft sehr stabil und in meinem Fall völlig problemlos. Ein Registriercode muß einmalig zu Beginn eingegeben werden, danach kann man loslegen auch ohne ständig eine CD im Laufwerk zu haben. Im Startmenü können wir ein neues Spiel beginnen oder vorher die Optionen einstellen. Wir können an dieser Stelle kein spezielles Savegame aufrufen sondern werden über 'Resume' einfach an den letzten Punkt des Spiels gebracht. Später während des Spiels ist es allerdings möglich, eins der 8 möglichen gespeicherten Spiele auszuwählen. Ein wenig umständlich, aber diese Funktion wird relativ selten benötigt. Das Startmenü ermöglicht uns ebenfalls den direkten Zugang zu den von Professor Hunt gesuchten Brettspielen, sobald sie durch unseren Spielerfolg freigeschaltet wurden.

 

Rätsel

Einfallsreich, neu oder kreativ sind Attribute, die kaum auf die Rätsel von AGON, mit Ausnahme der Brettspiele, zutreffen. Wir suchen und wenden Objekte an, führen Multiple-Choice-Dialoge, dekodieren diverse verschlüsselte Nachrichten, müssen Mechanismen erkunden und ein anspruchsvolles Klangrätsel lösen. Aha, da wäre auch ein Morserätsel - 'wie aufregend'. Am besten, ich pinne mir die Morsetabelle gleich mal an den PC, scheint ja mittlerweile Standard in Adventures zu sein. Aber auch dieses Morserätsel hat seine ganz spezielle Qual: wie in AGONs Entschlüsselungsrätseln grundsätzlich nötig, muß man seine Übersetzung per Schreibmaschine eingeben und bei einem Fehler immer wieder ganz von vorne beginnen. In Ordnung bei 20 oder 30 Zeichen, aber 115!? Das ist Mühsal! Und so befriedigend, wenn man nachher aus dem Dokument gar keinen wirklich spielrelevanten Nutzen zieht! Eine schlicht langweilige Fleißaufgabe. Ich glaube nicht mehr, daß AGON für Ancient Games of Nations steht, sondern eigentlich für Agonie = Qual. (Ich nehme einfach mal an, die Entwickler beabsichtigten die Nähe zu dieser Interpretation?!)

Spieler, die schon das eine oder andere Adventure gespielt haben, werden sich bereits nach dem kurzen ersten Einführungsteil von maximal 2 Stunden fragen, ob das alles ist, was die Macher von AGON draufhaben. Ich hatte das Gefühl, daß einige Beamtenseelen hinter dem Ganzen stecken, die ihre Onlinebrettspiele nett verpackt an den Mann/die Frau bringen wollen.

Diese Minigames können immer wieder gespielt werden und sind auch unabhängig vom Adventure aufzurufen, hat man den Hüter des Spiels erst einmal geschlagen. (Das war bei mir beim ersten Spiel, Tablut, nach 3 Versuchen der Fall. Beim 2. Spiel, Fanorana, nach 8 oder 9 Versuchen.) Hier kommt die Kreativität der Spielemacher hervor. Jedes Brettspiel hat seine ganz speziellen neuartigen Regeln. Option ist es ebenfalls, diese Brettspiele online über die Homepage gegen andere Spieler zu spielen.

Der 2. Teil (Lappland) ist zumindest länger als der erste, birgt aber nichts, was mich rätselmäßig begeistert hätte. Nur der 3. Teil (Madagaskar) kratzt am Potential der Entwickler, hier finden wir nicht nur mehr Interaktion, Überraschendes und Spannendes vor, sondern auch ein recht kreatives Klangrätsel, das sich auf den ersten Blick als Labyrinthrätsel getarnt hat.

Alle Rätsel sind bis ins Kleinste geplant, bzw. durch Hinweise dokumentiert, da ist nichts dem Zufall überlassen. Die schnell aufkommende Langeweile wird nur im 3. Teil zeitweise beiseite geschoben, schade!

 

Handling/Steuerung

Das Spiel wird durchweg in 1st-Person-Perspektive gespielt, nur während der Videosequenzen erleben wir den Professor in persona. AGON beherbergt die übliche Maussteuerung, wobei man sich stufenlos um die eigene Achse drehen kann inklusive Schwenks nach oben und unten. Zoomansichten oder neue Szenen erreicht man durch einen Klick mit der linken Maustaste immer dort, wo der Cursor sein Form entsprechend verändert. Die komfortable Maussteuerung wird ergänzt durch ein 3teiliges Menürad in der oberen rechten Bildschirmecke. Dort kann man per Klick das Hauptmenü erreichen oder das Inventar öffnen. Ebenfalls findet man hier eine kurze Beschreibung der Steuerung bzw. Hinweise zum jeweiligen Brettspiel, sollte man sich gerade in diesem Modus befinden. Im Optionsmenü können wir Grafik und Sound anpassen, wobei wir Sprache, Musik und Soundeffekte unabhängig voneinander regulieren können.

Es gibt 8 Speicherstellen und eine Autosavefunktion. Recht wenig, wenn man sich z.B. Dokumente aus einer vorhergehenden Episode noch mal durchlesen möchte.

Englische Untertitel sind vorhanden, laufen in angemessenem Tempo und sind leicht zu entziffern. Professor Hunts Gedanken und natürlich die Dialoge erreichen uns sowohl schriftlich als auch gesprochen. Einige kleine Rechtschreibfehler haben sich beim Bildschirmtext eingeschlichen, allerdings nichts Weltbewegendes, besonders wenn man kein Muttersprachler ist und sich eher darüber freut, die leicht verständlichen Texte schnell aufnehmen zu können.

 

Fazit

Ich kann wirklich nicht guten Gewissens eine Episodenreihe empfehlen, bevor sie abgeschlossen ist. Es gibt ja schon Beispiele, wo man vergeblich auf das Ende wartet. Deshalb kann ich das vorliegende Werk nur als Teil eines Ganzen bewerten, das mir noch unbekannt ist. Agon ist etwas für Brettspielfans, die gegebenenfalls dieselben Spiele auch gerne gegen andere Spieler online spielen. Für mich ist es deshalb aber nur mittelmäßig interessant und fesselnd.

Zumindest wurde am Ende des 3. Teils eine gewisse Spannung erzeugt, so daß man am liebsten gleich mit dem 4. Teil, der als Download in Kürze erscheinen soll, weitermachen möchte. Es wäre angenehm, wenn man nicht länger als 2-3 Monate auf den nächsten Teil warten müßte, aber es sieht so aus, daß man sich grundsätzlich doch weit länger gedulden werden muß. Mit ca. 10 Stunden Gesamtspielzeit gehört AGON - The Mysterious Codex zu den kurzen Adventureangeboten, das Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei $19.99 + Versand befriedigend, betrachtet man die Fehlerfreiheit und das einfache Handling sowie die Einsteigerfreundlichkeit.

Die nächste Downloadepisode wird in Spanien zu erleben sein, nämlich in Toledo, das für seine Klingenproduktion mindestens so bekannt ist wie Solingen, deshalb auch der Titel: The Lost Sword of Toledo.

 

Meine Gesamtbewertung: 66%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98/ME/2000/XP
  • Pentium III 800 MHz
  • 128 MB RAM
  • CD-ROM-Laufwerk
  • 32 MB DirectX 8.0-kompatible 3D-Grafikkarte
  • DirectX kompatible Soundkarte
  • Stereolautsprecher

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Artec WRA-A40)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 09. Mai 2006

 

Zurück zur Adventure-Archiv Startseite

 



Anklicken zum Vergrößern

Huch - das ist ja der Professor!
Huch - das ist ja der Professor!

 

Der Wachmann hütet die verborgenen Schätze des Museums
Der Wachmann hütet die verborgenen Schätze des Museums


Texteingaben werden immer über diese Oberfläche gemacht
Texteingaben werden immer über diese Oberfläche gemacht

 

Das Büro des Museumsdirektors
Das Büro des Museumsdirektors

 

Professor Hunt auf der Suche in den Gewölben des Museums
Professor Hunt auf der Suche in den Gewölben des Museums

 

Zwischen den Episoden
Zwischen den Episoden



Ankunft in Lappland
Ankunft in Lappland

 

Kein 'großer Bahnhof' - der Bahnhofswärter schläft
Kein 'großer Bahnhof' - der Bahnhofswärter schläft

Ein kleines Dorf in Eis und Schnee
Ein kleines Dorf in Eis und Schnee


Hilfst Du mir - helf ich Dir
Hilfst Du mir - helf ich Dir

 

Darum geht's - der erste Brettspiel
Darum geht's - der erste Brettspiel

 

Hunt muß sich  im Dschungel zurecht finden
Hunt muß sich  im Dschungel zurecht finden

 

Bizarre Kakteen
Bizarre Kakteen

 

Gibt es noch 'echte Piraten'?
Gibt es noch 'echte Piraten'?


Dekodieraufgabe
Dekodieraufgabe

 

Fast am Ziel
Fast am Ziel

 

Mehr Screenshots

 

 

 

Addendum: die deutsche Version

Agon – The Mysterious Codex

Erscheinungsdatum Deutschland: Oktober 2007

Entwickler: Private Moon Studios
Publisher: Kalypso Media 

Boxshots deutsche Version

Spielsprache: Deutsch

USK: ohne Altersbeschränkung

 

Ein Addendum von Jehane vom 25.04.2008

Mit Agon – The Mysterious Codex liegen erstmals die ersten drei Episoden der Agon-Saga vor, die in den ungarischen Private Moon Studios entwickelt wird und am Ende aus sage und schreibe 14 Teilen bestehen soll – ein ehrgeiziges Unterfangen.

Handlung

Professor Samuel Hunt, Angestellter des renommierten Britischen Museums in London, erhält eines Tages einen mysteriösen Brief, der ihn auf die Spur des nicht minder geheimnisvollen Agon bringt. Als waschechter Gelehrter macht sich Hunt prompt auf die Suche nach dem Kodex, der über die gesamte Welt verstreut und zudem mit verschollenen Brettspielen verbunden ist, die es ebenfalls zu finden gilt. Der Prolog in London führt den Spieler dabei in die Geschichte ein und macht einen mit der Steuerung vertraut, Episode 2 entführt uns dann nach Lappland, und in Episode 3 dürfen wir den Dschungel von Madagaskar durchstreifen. Überall muss Prof. Hunt nicht nur weitere Seiten des Kodex finden, sondern eben auch besagte Brettspiele. Gewinnt er bei einem dieser Brettspiele, erhält er einen weiteren Stein, der zu einer ägyptischen Statue passt, die ebenfalls mit dem Geheimnis in Verbindung steht. Hunt ist also auf der Jagd und auf der Suche nach zahlreichen Puzzlesteinen, die am Ende – also in Episode 14 – das Rätsel endgültig lösen sollen.

Situiert ist die Geschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts, zwischen den Episoden kann man auf „Dorothys Tisch" die einzelnen Stationen der Reise sowie Hunts Biografie nachlesen – die Dokumente deuten dabei alle darauf hin, dass es sich um einen Rückblick handelt, der Jahre nach den Ereignissen zusammengestellt wurde. Die Vermutung liegt nahe, dass Hunts Ehefrau Dorothy diese Dokumente zusammengetragen hat, auch, weil die Biografie, die auf dem Tisch liegt, aus ihrer Feder stammt.

 

Aufmachung und Technisches

Die deutsche Fassung des Spiels wurde in eine ansprechend gestaltete Mini-Klappbox verpackt. Sie verfügt über ein spartanisch gehaltenes Handbuch, das uns in die wichtigsten Funktionen des Spiels einführt – das Ganze in fadem Schwarz-Weiß, ohne Abbildungen und obendrein derart fehlerhaft, dass man kein Germanistikprofessor sein muss, um sich mit Grausen abzuwenden. Das Handbuch wimmelt nur so vor Tipp-, Rechtschreib- und Grammatikfehlern, die man mit etwas mehr Sorgfalt beim Korrekturlesen locker hätte ausmerzen können. Glücklicherweise ist die Steuerung von Agon aber derart intuitiv, dass man diesbezüglich ohnehin nicht auf das Handbuch angewiesen ist. Zudem findet man Informationen zur Steuerung auch im Menü oben rechts, und zwar unter dem Punkt „Files".

Die Installation von einer DVD verlief reibungslos und ohne Probleme; technische Schwierigkeiten hatte ich mit dem Spiel ebenfalls nicht.

 

Steuerung und Handling

Zu Steuerung und Handling hat Slydos ja bereits ausführlich in ihrem Review (siehe oben) geschrieben; an Steuerung und Handling des Spiels hat sich in der deutschen Version nichts geändert – leider, muss ich im Hinblick auf die Speicherstände sagen. Denn wenn man wie ich gerne und regelmäßig speichert, sind gerade einmal acht Plätze doch etwas dürftig bemessen, erst recht, wenn man am Ende einer Episode feststellen muss, dass es da noch ein Rätsel gibt, das man lösen müsste, das man aber nicht mehr lösen darf, weil einen das Spiel schon zur nächsten Episode weiterleitet. In diesem Fall musste ich einen früheren Spielstand laden und blöderweise die gesamte Lappland-Episode noch einmal spielen; mehr dazu weiter unten.

Ein Wort noch zum Handling: Man muss in Agon viel lesen. Sehr viel. Die entsprechenden Bücher wurden dabei in ihrem „Urzustand" belassen, sodass man den englischen Text präsentiert bekommt, sobald man ein Buch aufschlägt. Netterweise wurde aber eine kleine Hilfestellung eingebaut: Fährt man mit dem Cursor über den Text, erscheint automatisch eine deutsche Übersetzung, sofern der entsprechende Text für das Spiel überhaupt relevant ist.

 

Grafik und Sound

Grafisch kann man Agon wenig vorwerfen, auch wenn die Zwischensequenzen mitunter etwas unscharf wirken. Zu Beginn dürfen wir zusehen, wie aus wenigen Pinselstrichen und Farbklecksen ein Bild des nächtlichen London entsteht, das dann unvermutet in ein Video übergeht, das uns am Ende mit Professor Hunt bekannt macht. Diesen sehen wir übrigens nur in den Videosequenzen „in Fleisch und Blut" bzw. dann, wenn er gerade vor einem Fenster steht und sich darin spiegelt. Dabei dreht er sich auch brav mit, wenn man die Maus bewegt – ein Feature, das es offenbar in der englischen Version so noch nicht gegeben hat. In der Nachfolgeepsiode „The Lost Sword of Toledo" wurde dieses grafische Schmankerl übrigens noch perfektioniert, sodass auch ein gewisser Realismus aufkommt.

Auch soundtechnisch macht Agon alles richtig. Das fängt bei der eingängigen Musik an, die auch schon mal dramatisch anschwellen kann, setzt sich über die immer passende Geräuschkulisse fort und endet schließlich bei der hervorragenden Sprachausgabe. Vor allem die deutsche Stimme des Professors ist optimal besetzt worden; sie entspricht haargenau dem ruhigen, intellektuellen und gelehrten Bild, das man sich von Anfang an von Prof. Hunt macht. Auch die übrigen Charaktere, die wir im Lauf der Reise treffen, überzeugen voll und ganz; nur schade, dass die Zahl der Gesprächspartner ziemlich begrenzt ist.

 

Rätsel und Ausrutscher

Wie Slydos bereits angemerkt hat, sind manche Rätsel nicht unbedingt dazu angetan, einen in Jubelschreie ausbrechen zu lassen. Als besonders lästig empfand ich jene Aufgaben, in denen ich über eine Tastatur eine Lösung eingeben musste – das mag ja noch angehen, wenn man „nur" ein Formular fälscht, wird aber furchtbar nervtötend, wenn es um einen ganzen Satz geht, noch dazu in Morseschrift. Das Ärgerlichste daran war aber, dass man dieses Rätsel gar nicht zu lösen brauchte, um weiter zu kommen – ich habe wie gesagt die Lappland-Episode zweimal gespielt und beim zweiten Mal auf das Morserätsel gepfiffen. Ich konnte meine Reise trotzdem fortsetzen.

Was mir im Zusammenhang mit der Lappland-Episode ebenfalls unangenehm aufgefallen ist: Man kann diese Episode beenden, ohne ein bestimmtes Rätsel zu lösen, das einen eigentlich in den Besitz der nächste Kodex-Seite bringt. Ich wollte mir dieses Rätsel für später aufheben und mich erstmal um diesen Rentier-Hirten kümmern, der das Brettspiel verwahrt. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, ist, dass das Spiel automatisch annimmt, man habe alles erledigt, sobald man beim Brettspiel ankommt, sprich: Ich konnte das Brettspiel in Angriff nehmen und gewinnen, ohne dass ich die Kodex-Seite gefunden hatte. Danach endete die Episode automatisch und ich fand mich unversehens in Madagaskar wieder. Also habe ich einen früheren Spielstand geladen und die gesamte Episode noch einmal gespielt, dieses Mal aber die Kodexseite geholt, bevor ich mich an das Brettspiel gewagt habe. Agon verhält sich hier extrem linear und unlogisch; eigentlich sollte ein Spielfortschritt nicht möglich sein, wenn man nicht alle wichtigen Aufgaben gelöst hat.

Ebenso unlogisch fand ich ein Buch in Madagaskar, das einem an sich dabei helfen soll, ein Rätsel zu lösen. Blöderweise kann man dieses Buch aber nur ein- oder zweimal in die Hand nehmen, und das noch bevor man weiß, wozu es überhaupt gut ist bzw. nach welchen Hinweisen man eigentlich sucht. Hat man mal herausgefunden, wozu das Buch dient, rückt es mit den entsprechenden Informationen nicht mehr raus, sondern präsentiert nur ein Tastatur-Interface, damit man eine Lösung eingibt. Höchst ärgerlich, denn auch in diesem Fall kann man nur einen Schritt zurückgehen, einen früheren Spielstand laden und die Vorgehensweise ändern.

Abgesehen von diesen Ausrutschern empfand ich die Rätsel als ganz in Ordnung; der Schwierigkeitsgrad ist dabei in der dritten Episode sprunghaft nach oben geschnellt, was dem Spiel aber durchaus gut getan und zudem das Potenzial der Entwickler offenbar hat. Episode 3 in Madagaskar bietet so einen guten Einblick in die Möglichkeiten, die sich hier noch bieten und macht Lust auf mehr.

 

Fazit

Agon – The Mysterious Codex macht vieles richtig und steigert sich von Episode zu Episode. Während der Prolog im Britischen Museum in etwa zwei Stunden zu schaffen ist, braucht man für die knackigen Rätsel auf Madagaskar deutlich länger. Insgesamt wird man aber nicht länger als 15 bis maximal 20 Stunden mit Professor Hunt auf Reisen sein. Die auf der Verpackung angegebenen 30 Stunden Gesamt-Spielzeit sind jedenfalls stark übertrieben.

Spannend zu beobachten fand ich, dass sich auch das Niveau von Episode zu Episode steigert. Laufen Gespräche in der ersten Episode noch automatisch ab, so hat man später durchaus die Möglichkeit, Gesprächsthemen anzuwählen. Der Schwierigkeitsgrad nimmt deutlich zu, ebenso die Länge der einzelnen Episoden. Dennoch fühlt sich das Ganze am Ende an wie eine gut gemachte, aber noch lange nicht perfekte Vorgeschichte zu etwas Größerem, was ja in gewisser Weise auch der Fall ist. Episode 3 macht jedenfalls Lust auf mehr und zeigt, welches Potenzial in den Entwicklern steckt. Vieles wird bereits sehr gut gemacht, etwa Grafik und Sound, aber auch die Wahl der deutschen Sprecher kann sich durchaus sehen lassen.

Manche Dinge sind hingegen noch verbesserungswürdig, etwa die unscharf wirkenden Zwischensequenzen oder Details im Rätseldesign (bitte keine Morserätsel mehr!); insgesamt macht Agon aber einen sehr soliden Eindruck und man kann nur hoffen, dass die folgenden Episoden noch einen Zahn zulegen.

Bewertung der deutschen Version: 69%

 

Mindestvoraussetzungen:

  • Windows 98/ME/2000/XP/Vista
  • CPU mit mind. 800 MHz
  • 128 MB Arbeitsspeicher
  • 32 MB DirectX 8.0 kompatible Grafikkarte
  • Gespielt mit:
  • Windows XP Home SP 2
  • Pentium 4 mit 3 GHz
  • 2 GB Ram
  • Optiarc DVD RW AM-71707
  • Nvidia GeForce 7300 SE/7200 GS mit aktuellem Grafiktreiber

 

Copyright © Jehane für Adventure-Archiv, 25. April 2008